Familienbrunch mit Kinderbetreuung

 

Am 18. Juni von 9.30 – 14 Uhr findet unser Familienbrunch in unserem Ladenlokal [kany] in Erfurt statt.

Es gibt lecker Essen und Getränke und für die Kinder Spiel- und Bastelangebote.

Für Kinder ist der Spaß umsonst, Erwachsene zahlen mit „Familienpass“ 3 €, ohne 6 €.
Über eine vorherige Anmeldung zum besseren Planen würden wir uns freuen: kontakt @ falken – erfurt . de

Das Proletariat hat nichts zu verlieren als seinen Weihnachtsmarkt

Weihnachten ist eine große Ausnahme: Familien, die sich sonst nie sehen, treffen sich, Menschen, die sonst nie spenden würden, tun es auf einmal doch. Und der kleine Prolet vom Fließband meint, in Form des Weihnachtsgelds zum ersten Mal in diesem Jahr von seinem Chef so etwas wie Anerkennung erhalten zu haben. Alles schön? Warum kann es nicht das ganze Jahr über so sein? Warum wird erst Ende des Jahres auf andere geschaut?

Noch schlimmer wird es, wenn man sieht, wie durchkommerzialisiert das Fest ist. Ein Beispiel? Ein großes Versandhaus macht Werbung mit dem Slogan „Schenke das Wertvollste, was Du hast. Zeit.“ In dem dazu gehörigen Werbefilm wird die Hektik der werktätigenBevölkerung dargestellt, mit der Pointe, zu Weihnachten es doch mal ruhiger angehen zu lassen und Zeit für die Familie zu finden. Mit Sicherheit ist das keine schlechte Empfehlung – doch warum ausgerechnet zu dieser Zeit im Jahr? Wäre es nicht besser, wenn man sich immer mal wieder rausnehmen, entschleunigen würde, sich immer Zeit nehmen könnte für die Familie, und nicht nur zum Abschluss eines langen Jahres, durch das man gehetzt ist?

Wir kennen es doch alle: „Es geht stramm auf Weihnachten zu“, „Bald ist ja schon wieder Weihnachten“ − Ausdrücke davon, wie sehr die Zeit vergeht und man sein Jahr auf diese Zeit ganz am Ende ausgerichtet hat. Zeit zum Runterkommen. Zum Einkehren. Vielleicht geht man ja sogar mal in die Kirche… Bedürfnisse treten auf, für die den Rest des Jahres keine Zeit da ist. Jetzt wird das nachgeholt. Es werden Weihnachtslieder gesungen, Kerzen angezündet, etc. pp. Kraft getankt, Ruhe gefunden − und dann ab 2. Januar wieder auf die Arbeit, ab in ein neues hektisches Jahr.

Da kommt doch die Frage auf: Warum angesichts der einen Woche Weihnachtsferien überhaupt die Arbeit einstellen? Man könnte doch auch allein den Jahresurlaub stehen lassen, zu wenig Zeit ist eine Woche! Zumal der Wunsch, ein perfektes Weihnachten feiern zu können, nicht selten selbst in totaler Hektik endet.

Vielleicht ist das der Grund dafür, dass selbst das Großkapital verstanden hat: Die Menschen brauchen mal eine Pause − und in Gedanken setzt es hinzu: um hemmungslos zu konsumieren. Also stellt es Kitsch in die Regale, produziert kurzfristig angenehme Gefühle durch bunte Werbung, bringt die nächste CD mit Weihnachtsschnulzen auf den Markt, garniert mit der nächsten Version von „Last Christmas“.

Und ihr? Denkt euch: Ich geh erstmal auf den Weihnachtsmarkt.

Leserbrief zum Artikel „Sieg des Triebs“ in Spiegel Nr. 46/2016

Wer Leo Löwenthals Analyse der faschistischen Agitation im Amerika der 30er und 40er Jahre kennt, wird vieles im Artikel wiederfinden: dass der Agitator von seinen Anhängern hysterische Ausbrüche geradezu einfordert und dann gezielt verstärkt, dass im Publikum den Wunsch nach Aufgabe jeglicher Tabus bestärkt, dass er ihnen mit dem Pogrom Teilhabe an der gesellschaftlichen Macht verspricht. Trumps Erfolg belegt eindrucksvoll, wie „an Selbsthass und Selbstverleugnung gewöhnte Menschen […] sich zum Narzissten herangezogen“ fühlen und der (proto-)faschistische Agitator eine Mischung aus Witzfigur und Held ist, gleichzeitig unerreichbar hoch über den Leuten thronend und doch mit denselben Problemen wie sie.
Während der Artikel richtig aufzeigt, dass Trumps Anhänger in ihrem Verhalten immer noch Kindern ähneln, stoppt er seine Analyse an der entscheidenden Stelle: Die Frage, warum sie nie erwachsen geworden sind, bleibt unbeantwortet. Scheinbar hätten Trump und seine Fans bloß alle einen Vater gebraucht, der hart durchgreift und konsequent bestraft, dann wären sie jetzt nicht so unkontrolliert. Doch der Erfolg Trumps hat seine Gründe nicht einfach in zwar massenhaft auftretenden, aber doch individuellen psychischen Problemen. Es ist keine Lust, die eigenen Regungen beständig niederzuringen und sich unter Kontrolle zu haben, aber es lohnt sich, weil man ohne nicht vorankommt. Verspricht aber selbst die totale Herrschaft über die eigenen Triebe keinen ökonomischen Erfolg mehr, kann man es auch sein lassen mit dem Erwachsenwerden. Als „kleiner Mann“ kommt man eh nicht nach oben, wenn der Markt es nicht hergibt (das vielzitierte Ende des amerikanischen Traums). Im Kapitalismus des Amerikas von 2016 lohnt sich Triebkontrolle einfach nicht mehr. Und woher sollen Eltern die nötige Autorität für eine vernünftige Erziehung nehmen, wenn sie selbst nur gescheiterte Existenzen in einer Wirtschaft sind, die sie nicht braucht und vermutlich nie wieder brauchen wird? An der Stelle verbinden sich auch die Gründe für die geistige Verfassung der Trump-Fans mit Hillary Clintons Angebot des „Seht her, so weit kann man es bringen, wenn man tüchtig agiert und erwachsen ist“. Wenn das nicht schon immer eine Lüge war – stets kurz davor, als solche enttarnt zu werden – dann doch zumindest heutzutage. – Uund niemand scheint sie mehr zu glauben.

Und leider wird der Artikel geradezu zynisch, wenn er Trumps Anhängern vorwirft, sich mit dieser Gesellschaft, in der der Einzelne noch nicht mal Rädchen im Getriebe, sondern völlig funktionslos und jederzeit ersetzbar geworden ist, nicht mit der gebotenen Teilnahmslosigkeit zufrieden zu geben.

Zum Artikel:
https://magazin.spiegel.de/SP/2016/46/147864069/index.html

Moishe Postone über die „Philo-Ausländerbewegung“ (1992)

Ich habe über die „Philo-Ausländerbewegung“ des letzten Herbstes gelesen. Manches fand ich sehr bedenklich. Dem Ausländerhass mit scheinbarer Ausländerliebe begegnen zu wollen, ist einfach verlogen. Man sollte die Ausländer nicht für so dumm verkaufen. Ihre Situation ist eine Frage des Rechts, nicht der Liebe. Zweitens hilft es auch nichts, das ganze deutsche Volk als dumm und stumpfsinnig darzustellen. Das ist provozierend und für den politischen Kampf untauglich. Sich zu schämen, Deutscher zu sein, kann ich gefühlsmäßig nachvollziehen, aber es ist kein politischer Standpunkt.

– Moishe Postone, 1992

Theaterbesuch: „Die Gerechten“

 

Am Dienstag gehen wir ins Theater zu Albert Camus‘ „Die Gerechten“ (20 Uhr im Kassablanca in Jena). Es geht um die Frage nach einer revolutionären Moral, die Heiligung der Mittel durch den Zweck und darum, was die revolutionäre Bewegung eigentlich ausmacht. Wer mitkommen will, meldet sich einfach bei uns.

img_20161011_192640Wir feiern am Samstag, den 15. Oktober, unsere Gründungsparty in der Gerber Eins!

Los geht’s um 21 Uhr mit einer kurzen Vorstellung der Falken, unserer Arbeit und dem offiziellen Gründungsakt. Anschließend beginnt im Erdgeschoss die Party mit Live-DJ und in der ersten Etage der gemütliche Kneipenabend mit Essen, Bier und Cocktails.

Eintritt: 2 Euro

Mehr Infos: facebook.com/FalkenWeimar