Gedenkstättenfahrt für Schüler*innen

Ab 02. März 2016 wollen wir uns einmal wöchentlich treffen, um gemeinsam eine Gedenkstättenfahrt zu planen und inhaltlich vorzubereiten. Zusammen mit Schülern und Schülerinnen aus Jena und Erfurt wollen wir dann in den Osterferien 2017 (10. bis 16. April) die Gedenkstätte Ravensbrück besuchen.
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Eine kritisch-solidarische Betrachtung des Demo-Aufrufs „Organize!“ für den 10.02.17 des AK Weimar

„Man übe Kritik, so gut man’s eben kann,
und halte im Übrigen den Rand“

Eine kritisch-solidarische Betrachtung des Demo-Aufrufs „Organize!“
für den 10.02.17 des AK Weimar

Ein Kostprobe aus dem genannten Aufruf:
[…] Die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft ist […] aber auch für ihre viel zu oberflächliche Kritik an Nazis [zu kritisieren], die kurzfristige, standortbezogene Lösungen sucht. In diesem Zusammenhang ist eine [!] starke, ausdifferenzierte [!] Gesellschaftskritik notwendig, die aufzeigt, dass Nazis in dieser Gesellschaft immer präsent sein werden, solange Ausbeutungs-, Entfremdungs- und Ausgrenzungsmechanismen bestehen. Nazis agieren genau dort, wo ihnen die Handlungsmöglichkeiten gegeben sind. Die Passivität des Bürgertums kann deshalb kaum eine Option im Handeln gegen Nazis sein. Ihre Vorstellungen von Gewaltfreiheit und friedlichen Protest verneinen meistens soziale Situationen. […]

Frage Nummer eins: Wer ist bloß auf die Idee gekommen, dreieinhalb Seiten lang fast ausschließlich Hauptsätze aneinanderzureihen und das dann Text zu nennen?

Frage Nummer zwei: Was soll „Verneinung sozialer Situationen“ heißen? Sollte die Verneinung nicht unsere Aufgabe als Sozialisten und Antifaschisten sein und nicht unsere Kritik an den „Bürgern“? Wir ahnen, was gemeint sein könnte: die genannten Vorstellungen blenden aus, dass Gewalt in dieser Gesellschaft nichts Fremdes und erst von außen an sie Herangetragenes ist, sondern eines ihrer zentralen Prinzipien. Das ach so gerechte Eigentum mit Kauf und Verkauf, macht Gewalt nicht unnötig, sondern braucht sie zu seinem Schutz. Diebstahl, Betrug und so weiter sind nicht das Gegenteil einer gerechten Gesellschaft, sondern Resultat dessen, was sich hierzulande „gerecht“ schimpft. Wo man alles kaufen muss, um es benutzen zu können, muss man eben klauen, wenn man kein Geld hat. Wenn ein paar hundert Millionen Satte ein paar Milliarden Hungrigen gegenüberstehen, müsste man das Mittelmeer, Mauern zu Mexiko und Erdogan erfinden, wenn es sie nicht gäbe. Aber warum schreibt ihr das dann nicht einfach so?

Und bitte sagt jetzt nicht: „Es ist ein Aufruf, da ist nunmal kein Platz für Welterklärungen.“ Wir wollen nämlich keinen noch längeren Aufruf. Der hier war uns schon lang genug, es stand bloß einfach zu wenig drin.

Dieser linksradikale Aufruf ist aufgrund seines gestelzten Geredes zu kritisieren, aber auch für seine viel zu oberflächliche Kritik an den Bürgern.

Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass hier irgendwie positiv konnotierte Wörter aneinandergereiht worden sind, wenn es um die eigene, „gute“ und „radikale“ Sache geht und irgendwie negativ konnotierte, wenn es um die „Bürger“ geht. Wer ist mit dem Wort „Bürger“ eigentlich gemeint? Die Unternehmer und Fabrikbesitzer? Diejenigen, die davon leben, über fremder Leute Arbeit zu gebieten? Oder die Spießer, die keine Lust haben, Pfefferspray abzubekommen oder geknüppelt zu werden um dann doch nichts zu erreichen? Und so bleibt vom Aufruf – einmal abgesehen von den ganzen nichtssagenden Phrasen – nicht viel mehr übrig, als dass Antifas, die sich als linksradikal und scheinbar diffus kommunistisch begreifen, Nicht-Kommunisten vorwerfen, keine Kommunisten zu sein. Früher war scheinbar doch manches besser. Da haben die Antifa-Punks noch ehrlich und voller Wut „Ihr seid nichts als linke Spießer!“ in die Welt hinausgebrüllt. Heute werden verquaste Aufrufe geschrieben.

Im Aufruf heißt es, „eine starke und ausdifferenzierte Gesellschaftskritik“ wäre „notwendig“. Das finden wir nicht. Wir wollen uns nicht irgendeine Gesellschaftskritik erarbeiten, sondern die eine, die die Gesellschaft als Ganze heute im Kopf, morgen tatsächlich über den Haufen wirft. „Notwendig“ ist sie nicht abstrakt und für jeden, sondern für uns, die wir etwas – oder besser gesagt alles – verändern wollen: „die Kritik ist die geistige Antizipation der Revolution“! „Stark“ kann diese Kritik allemal sein und das wird sie von ganz alleine, wenn sie wahr ist, aber doch bitte nicht „ausdifferenziert“. In dieser Gesellschaft kann man getrost alle Phänomene in einen Sack stopfen und mit den Waffen der Kritik zuschlagen, wie man lustig ist. Man wird nichts treffen, dass es nicht hundertfach verdient hätte, getroffen zu werden.
„Mittlerweile kritisieren wir die gleichen Erscheinungsformen seit drei Jahren“ heißt es weiter. Geholfen hat es scheinbar nichts. Es scheint eher wie bei der stillen Post zugegangen zu sein: die Kritik ist undeutlich geworden und kaum noch zu verstehen. Aus dem ganzen Uni-Kauderwelsch muss sie erst wieder freigelegt werden.

Wenn Ihr, um einen Anfang zu machen, […] mit uns gegen die gesellschaftliche Hierarchie, gegen Euer und unser Elend kämpfen wollt, dann:
Brüder [und Schwestern], auf zur Tat, wir lieben Euch!

hieß es in einem Flugblatt französischer Berufsschüler im Dezember ‘86.
Dem schließen wir uns einfach mal an.

Eure Falken Weimar

Und hier noch die PDF

Familienbrunch mit Kinderbetreuung

 

Am 18. Juni von 9.30 – 14 Uhr findet unser Familienbrunch in unserem Ladenlokal [kany] in Erfurt statt.

Es gibt lecker Essen und Getränke und für die Kinder Spiel- und Bastelangebote.

Für Kinder ist der Spaß umsonst, Erwachsene zahlen mit „Familienpass“ 3 €, ohne 6 €.
Über eine vorherige Anmeldung zum besseren Planen würden wir uns freuen: kontakt @ falken – erfurt . de

Das Proletariat hat nichts zu verlieren als seinen Weihnachtsmarkt

Weihnachten ist eine große Ausnahme: Familien, die sich sonst nie sehen, treffen sich, Menschen, die sonst nie spenden würden, tun es auf einmal doch. Und der kleine Prolet vom Fließband meint, in Form des Weihnachtsgelds zum ersten Mal in diesem Jahr von seinem Chef so etwas wie Anerkennung erhalten zu haben. Alles schön? Warum kann es nicht das ganze Jahr über so sein? Warum wird erst Ende des Jahres auf andere geschaut?

Noch schlimmer wird es, wenn man sieht, wie durchkommerzialisiert das Fest ist. Ein Beispiel? Ein großes Versandhaus macht Werbung mit dem Slogan „Schenke das Wertvollste, was Du hast. Zeit.“ In dem dazu gehörigen Werbefilm wird die Hektik der werktätigenBevölkerung dargestellt, mit der Pointe, zu Weihnachten es doch mal ruhiger angehen zu lassen und Zeit für die Familie zu finden. Mit Sicherheit ist das keine schlechte Empfehlung – doch warum ausgerechnet zu dieser Zeit im Jahr? Wäre es nicht besser, wenn man sich immer mal wieder rausnehmen, entschleunigen würde, sich immer Zeit nehmen könnte für die Familie, und nicht nur zum Abschluss eines langen Jahres, durch das man gehetzt ist?

Wir kennen es doch alle: „Es geht stramm auf Weihnachten zu“, „Bald ist ja schon wieder Weihnachten“ − Ausdrücke davon, wie sehr die Zeit vergeht und man sein Jahr auf diese Zeit ganz am Ende ausgerichtet hat. Zeit zum Runterkommen. Zum Einkehren. Vielleicht geht man ja sogar mal in die Kirche… Bedürfnisse treten auf, für die den Rest des Jahres keine Zeit da ist. Jetzt wird das nachgeholt. Es werden Weihnachtslieder gesungen, Kerzen angezündet, etc. pp. Kraft getankt, Ruhe gefunden − und dann ab 2. Januar wieder auf die Arbeit, ab in ein neues hektisches Jahr.

Da kommt doch die Frage auf: Warum angesichts der einen Woche Weihnachtsferien überhaupt die Arbeit einstellen? Man könnte doch auch allein den Jahresurlaub stehen lassen, zu wenig Zeit ist eine Woche! Zumal der Wunsch, ein perfektes Weihnachten feiern zu können, nicht selten selbst in totaler Hektik endet.

Vielleicht ist das der Grund dafür, dass selbst das Großkapital verstanden hat: Die Menschen brauchen mal eine Pause − und in Gedanken setzt es hinzu: um hemmungslos zu konsumieren. Also stellt es Kitsch in die Regale, produziert kurzfristig angenehme Gefühle durch bunte Werbung, bringt die nächste CD mit Weihnachtsschnulzen auf den Markt, garniert mit der nächsten Version von „Last Christmas“.

Und ihr? Denkt euch: Ich geh erstmal auf den Weihnachtsmarkt.

Leserbrief zum Artikel „Sieg des Triebs“ in Spiegel Nr. 46/2016

Wer Leo Löwenthals Analyse der faschistischen Agitation im Amerika der 30er und 40er Jahre kennt, wird vieles im Artikel wiederfinden: dass der Agitator von seinen Anhängern hysterische Ausbrüche geradezu einfordert und dann gezielt verstärkt, dass im Publikum den Wunsch nach Aufgabe jeglicher Tabus bestärkt, dass er ihnen mit dem Pogrom Teilhabe an der gesellschaftlichen Macht verspricht. Trumps Erfolg belegt eindrucksvoll, wie „an Selbsthass und Selbstverleugnung gewöhnte Menschen […] sich zum Narzissten herangezogen“ fühlen und der (proto-)faschistische Agitator eine Mischung aus Witzfigur und Held ist, gleichzeitig unerreichbar hoch über den Leuten thronend und doch mit denselben Problemen wie sie.
Während der Artikel richtig aufzeigt, dass Trumps Anhänger in ihrem Verhalten immer noch Kindern ähneln, stoppt er seine Analyse an der entscheidenden Stelle: Die Frage, warum sie nie erwachsen geworden sind, bleibt unbeantwortet. Scheinbar hätten Trump und seine Fans bloß alle einen Vater gebraucht, der hart durchgreift und konsequent bestraft, dann wären sie jetzt nicht so unkontrolliert. Doch der Erfolg Trumps hat seine Gründe nicht einfach in zwar massenhaft auftretenden, aber doch individuellen psychischen Problemen. Es ist keine Lust, die eigenen Regungen beständig niederzuringen und sich unter Kontrolle zu haben, aber es lohnt sich, weil man ohne nicht vorankommt. Verspricht aber selbst die totale Herrschaft über die eigenen Triebe keinen ökonomischen Erfolg mehr, kann man es auch sein lassen mit dem Erwachsenwerden. Als „kleiner Mann“ kommt man eh nicht nach oben, wenn der Markt es nicht hergibt (das vielzitierte Ende des amerikanischen Traums). Im Kapitalismus des Amerikas von 2016 lohnt sich Triebkontrolle einfach nicht mehr. Und woher sollen Eltern die nötige Autorität für eine vernünftige Erziehung nehmen, wenn sie selbst nur gescheiterte Existenzen in einer Wirtschaft sind, die sie nicht braucht und vermutlich nie wieder brauchen wird? An der Stelle verbinden sich auch die Gründe für die geistige Verfassung der Trump-Fans mit Hillary Clintons Angebot des „Seht her, so weit kann man es bringen, wenn man tüchtig agiert und erwachsen ist“. Wenn das nicht schon immer eine Lüge war – stets kurz davor, als solche enttarnt zu werden – dann doch zumindest heutzutage. – Uund niemand scheint sie mehr zu glauben.

Und leider wird der Artikel geradezu zynisch, wenn er Trumps Anhängern vorwirft, sich mit dieser Gesellschaft, in der der Einzelne noch nicht mal Rädchen im Getriebe, sondern völlig funktionslos und jederzeit ersetzbar geworden ist, nicht mit der gebotenen Teilnahmslosigkeit zufrieden zu geben.

Zum Artikel:
https://magazin.spiegel.de/SP/2016/46/147864069/index.html

Moishe Postone über die „Philo-Ausländerbewegung“ (1992)

Ich habe über die „Philo-Ausländerbewegung“ des letzten Herbstes gelesen. Manches fand ich sehr bedenklich. Dem Ausländerhass mit scheinbarer Ausländerliebe begegnen zu wollen, ist einfach verlogen. Man sollte die Ausländer nicht für so dumm verkaufen. Ihre Situation ist eine Frage des Rechts, nicht der Liebe. Zweitens hilft es auch nichts, das ganze deutsche Volk als dumm und stumpfsinnig darzustellen. Das ist provozierend und für den politischen Kampf untauglich. Sich zu schämen, Deutscher zu sein, kann ich gefühlsmäßig nachvollziehen, aber es ist kein politischer Standpunkt.

– Moishe Postone, 1992